Ostfriesland

Auch an diesem Wochenende war ich wieder unterwegs, dieses Mal in Ostfriesland. Ich hatte einen einigermaßen strengen Zeitplan, aber im Wesentlichen doch nur zwei Ziele: den Wikipedia-Stammtisch Ostfriesland und zweitens eine Fahrt mit der – jaja, ihr ahnt es – Ostfriesischen Küstenbahn.

Los ging es in Göttingen am Samstagmorgen um kurz nach 9 Uhr, ich fuhr nach Leer, wo ich für den Nachmittag mit einem der Wikipedianer, Matthias, verabredet war, der mit dann nach Aurich mitnehmen sollte. Ankuft in Leer gegen 14 Uhr, drei Stunden Zeit für die Stadt. Auf eigene Gefahr:

Da ich keinen konkreten Plan hatte, bin ich einfach ein bisschen umherspaziert. Die ostfriesischen Städte haben schon was. Eine gewisse Aura, die sofort an Urlaub erinnert. Die vielen Backsteinhäuser und -häuschen stehen da nebeneinander aufgereiht und bilden eine schöne Straße oder Gasse. Der Wind bläst sanft und milde Seeluft lässt sich einatmen. Die Leute grüßen, selbstverständlich mit ihrem Moin!, auch wenn sie dich gar nicht kennen und überhaupt. Und dann gibts ja da noch das Meer! Oder doch zumindest das Wasser im Hafen. So verging die Zeit, größtenteils mit Schlendern. Ins Heimatmuseum wollte ich kurz reinschauen, aber dann hab ich mich nur ein bisschen mit dem Aufpasser da unterhalten und bin weitergezogen. Beim Kunstmuseum genau so: Ich gehe rein und sehe nur Skulpturen. Also frage ich, ob es auch Malerei zu sehen gibt. Nein, im Moment kaum. Nagut, dann eben nicht. Noch einen Blick auf die Postkarten werfen. Aber nein, 2 Euro ist mir zu viel. Auf Wiedersehen!

Ich hab zwar in der ganzen Stadt keinen Supermarkt gefunden, um meinem Getränketick nachzugehen. Aber dann war es auch schon 17 Uhr und ich hastete zurück zum Bahnhof, dem vereinbarten Treffpunkt. Kurz vorher muss das Wetter natürlich nochmal heftig werden. Es gießt plötzlich so arg, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Natürlich bin ich völlig durchnässt und muss zu meinem Ersatzpullover greifen.

Dann nach Aurich. Hier kriege ich von Matthias eine Mini-Stadtführung und dann gehen wir zur Gaststätte des Stammtischs, wo schon einige warten. Ich haue nochmal schnell ab, denn ich hatte einen Edeka gesehen und muss doch mal gucken, was es da so gibt in der Getränkeabteilung. Nichts Besonderes.

Die Gespräche in Arno’s Hirsch sind angeregt und drehen sich vor allem um konkrete Projekte, die die Ostfriesen in der Wikipedia umsetzen wollen. Ich bin ein bisschen überrascht darüber, dass Wikipedia-Themen hier noch so sehr im Vordergrund stehen, denn nach meinem Empfinden sind sie bei anderen Stammtischen eher in den Hintergrund geraten. Ich frage mich durch, was meine Sonntagsziele angeht und bekomme ein paar Tipps fürs Sightseeing, wunderbar. Leider kann mich niemand nach Norden (die Stadt) mitnehmen, sodass ich Nachtbus fahren muss.

Irgendwo zwischen den Städten Aurich, Emden und Norden gibt es eine überregional bekannte Disco, und weil es sie gibt, gibt es auch Busse dahin, die so genannten Nachteulen. Ich warte am ZOB in Aurich an der ersten Haltestelle, da wo der Fahrplan hängt, auf den Bus. Aber es kommt keiner. Zwei andere Busse halten an anderen Haltestellen, fahren irgendwann, nachdem Spaß erwartende Trullas eingestiegen sind, ab. In einen von den beiden steige ich davor aber ein und frage, ob das die N41 nach Norden ist. Der Fahrer tut so, als würde ich Chinesisch reden. »Wohin fahren Sie? Nach Norden?« – »Galaxy!« – »Aha, und dann nicht weiter nach Noden? Fahren Sie denn auch über Marienhafe?« – »Galaxy!«. Naja, ich steige mal ein und zahle 5 Euro für ein Ticket. Das gilt wohl die ganze Nacht im ganzen Nachteule-Netz. Nagut. Alle gröhlen rum und schreien: »Busfahrer, du fährst falsch! Du musstest rechts abbiegen!«. Plötzlich hält der Bus, irgendwo im Nichts: »Das hier ist Marienhafe. Da wolltest du doch hin!« – »Hm, danke. Aber ich wollte mit dem Zug weiterfahren und der ist jetzt schon weg. Ich muss ja nach Norden! Fahren ab dem Galaxy auch Busse nach Norden?« – »Müssten.« Ich bleibe also, etwas unsicher, im Bus. Bis zum Galaxy. Zur Not fahre ich einfach wieder mit dem gleichen Bus zurück nach Aurich, haha. Es kommen aber zum Glück nach einer halben Stunde oder so noch zwei andere Busse, einer davon fährt tatsächlich nach … Norden!

Ab, rein da. Ist sowieso leer, nachdem ja alle das Galaxy erreicht hatten. Wer will da schon um 23:30 Uhr zurück? Ich komme in Norden an. Da ist ein Stadtfest. Schöne Überraschung. Ich höre der Musik zu und überlege schonmal, wo ich wohl schlafen könnte. Es ist dunkel, aber zum Glück trocken. Ich latsche umher, werde langsam müder und döse ein bisschen auf einer Bank. Irgendwann, so gegen 3 Uhr, lege ich mich unter ein Dach, ein bisschen in der Wildnis (also auf einer Wiese) und hoffe, dass es trocken bleibt. Lange dauert das nicht, zwei Stunden später bin ich wieder wach. Und es ist trotz Equipment etwas kalt. Ich beschließe, zurück in die Stadt zu gehen und im Vorraum der Post zu warten, bis es hell wird. Da ist es immerhin warm. Und wenn schon, denn schon.

Es wird hell. Ich beobachte die Bühnenabbauer und irgendwann verlasse ich die Post und laufe weiter durch die Stadt. Schön, sie auch mal im Hellen zu sehen. Bis 12 Uhr muss ich noch durchhalten, dann macht das Museum auf. Irgendwie klappt das auch. Zwischendurch fahre ich noch zum Hafen nach Norddeich/Norddeich Mole und dann im IC zurück, das hat an dem Tag irgendwie funktioniert. Immer noch zwei Stunden. Aber mittlerweile gibts immerhin Leben am Norder Bahnhof. Lauter Touristen.

Kurz vor 12. Ein Mann kommt zum Museumseingang geradelt und schließt auf. Er sei Vertretung. Ich schau mich schon um, nach und nach eröffnet er mit neue Bereiche (Stellwerk, Außenbereich usw.). Dann muss ich irgendwann schon wieder gehen, um den Zug um 12:30 Uhr nicht zu verpassen. Damit geht es gemütlich nach Dornum. Der Schaffner ist gut drauf und lässt ein paar Anekdoten ab. Und erzählt, was man in Dornum so sehen kann: »Meine Frau sagt, man soll sich da auch mal den Friedhof angucken. Da gibt es so viele alte ostfriesische Namen!«. In der Tat, die gibt es da. Leider weiß ich keine mehr.

Dornum ist überhaupt ein eher verschlafenes Nest. Da gibts eine tolle Windmühle, die sogar in Betrieb ist (ein Video dazu im .avi-Format gibt es hier). Dann gibts noch Live-Musik am Marktplatz, dazu allerlei Stände. Als ich ankomme, weiß ich jedoch nicht, ob die Musik schon vorbei ist oder ob die Musiker nur pausieren. Naja, egal, ich esse einfach mal eine Waffel. Und laufe wieder. Bis etwas mehr als eine Stunde später mein Bus fährt, der mich nach Esens bringt (das Stück sind 8 Kilometer, wo es keine Schienen mehr gibt, aber man denkt über eine Reaktivierung nach). Mit Bahntarif.

In Esens angekommen, warte ich auf den Anschlusszug nach Wilhelmshaven, wo ich drei Stunden eingeplant habe. Aber als ich da bin, halte ich es kaum eine halbe Stunde aus und beschließe, umgehend Richtung Göttingen aufzubrechen. So mach ich das dann auch. Mit dem Bus des Schienenersatzverkehrs nach Oldenburg, dann weiter. Gegen 22 Uhr bin ich dann in Göttingen und zu erschöpft, diesen Bericht hier zu schreiben, bei dem ich sicher auch jetzt mindestens die Hälfte vergessen habe. Bis zum nächsten Mal!

Leer

Küstenbahn

Dornum

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