Hessencourrier und Bahnhofsfest in Naumburg

Wie auch letzte Woche, war bei mir auch heute wieder Bahntag. Die häufen sich in letzter Zeit irgendwie.
Heute ging es über die 33,4 km lange Bahnstrecke Kassel–Naumburg in Nordhessen. Die Strecke wurde 1904 eröffnet und bis 1977 im regulären Kleinbahn-Personenverkehr betrieben. Heute finden in der Sommersaison etwa einmal monatlich Museums-Dampffahrten statt.

Die Strecke weist (mindestens) zwei Besonderheiten auf:

  • Zum einen wird sie auf dem Abschnitt von Altenbauna nach Großenritte auch von der Straßenbahn Kassel benutzt (nicht der RegioTram). Es ist schon schön, in den Gesichtern der an Haltestellen wie Altenbauna Kleingartenverein auf die Straßenbahn Wartenden wohlwollende Freude festzustellen, wenn man im Dampfzug vorbeiklappert.
  • Zweitens gibt es Abschnitte, die über eine doch erhebliche Steigung verfügen: Zwischen Elgershausen und Hoof bewältigt der Zug eine Steigung von 1:35, gewinnt also einen Höhenmeter pro 35 Meter Strecke. Für Eisenbahnverhältnisse ist das schon einiges. Und 29 Promille klingt auch für die alkoholaffinen Mitleser nach einer Hausnummer.

Die Fahrt startete um 11:10 Uhr ab dem Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe Süd, ein Freund von mir und ich waren gute 20 Minuten vor der Abfahrt da und der Zug stand schon bereit. Wir hatten überlegt, ob wir Tickets reservieren sollten, dann aber darauf verzichtet, weil wir dachten, der Andrang sei schon nicht so riesig. Falsch gedacht! Im Rahmen der Entdeckertage Nordhessen wurde ordentlich Werbung gemacht und so hatten sich einige Entdecker am Bahnhof versammelt. Und die Fenster waren größtenteils mit Reservierungen zugeklebt. Zum Glück haben wir dann doch noch einen Platz gefunden und es ging endlich los.

Toll war, dass der Zugführer ständig Informationen zu der Strecke durchgesagt hat. Eine kleine Streckenführung war also inklusive. Die Strecke wurde übrigens innerhalb von zwei Jahren gebaut. »Das war damals noch eine Selbstverständlichkeit. Heute braucht man zehn Jahre Planung und zehn Jahre Bau.« Auch über die Werksbahn des VW-Werks, die Straßenbahnwendeschleifen, natürlich die Steigungen und allerlei anderes wurden die Fahrgäste informiert. Allerdings kamen die »Infos« nicht nur von offizieller Seite. Unser Sitznachbar kann auch nur mit dem Adjektiv redselig beschrieben werden: Er, Dauerkarteninhaber und regelmäßiger Fahrgast, gab auch einige Anekdoten zum besten. Insbesondere Ausflugstipps und technische Informationen irgendwelcher Dampfloks irgendwelcher anderen Museumsbahnen waren seine Lieblingsthemen. Man könne mal den Rosengarten besuchen, »kostet auch nichts«. Oder durch den Kurpark schlendern. Außerdem gebe es Pizzerien und diverse Cafes, in denen man die Zeit vertreiben könne. Und dann gabs noch Infos über die Lok 01-blabla und so weiter und so fort. War ein bisschen schwierig. Gerade bei der Geräuschkulisse des Holzklassedampfzugwagens.

In Naumburg angekommen, tobte das Bahnhofsfest, das im Wesentlichen aus einer Würstchenbude und einem Getränkestand bestand und musikalisch von einer Blaskapelle untermalt wurde. Das Eisenbahnmuseum (Eintritt 2 Euro, laut Entdecker-Website allerdings »frei«) ist ein kleiner Raum mit einer Sammlung von Fotos, Zeitungsartikeln über Unfälle an der Strecke, Signalen und anderem Bahnzubehör. Ganz schick. Dann gab es noch Modellanlagen in einem zweiten Raum, klein und überschaubar, aber trotzdem nett anzusehen. Ein bisschen schade, vor allem für die Kinder, dass man nicht selbst steuern konnte. Dann gab es noch den üblichen Trödelmarkt, wo ich mir Postkarten habe aufschwätzen lassen, 5 Stück für 1 Euro. Geht schon, aber so ganz toll sind die Karten eigentlich nicht. Naja.

Dann standen drei Stunden Aufenthalt in Naumburg auf dem Programm. Doch was macht man da an einem heißen Sommertag? Wir sind einfach ein bisschen rumgelaufen und haben die durchaus sehenswerten Fachwerkhäuser besichtigt und fotografiert. Oben auf dem Berg angekommen, konnten wir uns ein bisschen in der katholischen Kirche abkühlen, bevor wir dann wieder zurück in Richtung Bahnhof gelaufen sind. Unterwegs haben wir noch über Wanderwegzeichen gegrübelt. Ein gelbes N, sollte das etwa für den ersten deutschen Nacktwanderweg? Nein, es hat den Naumburger Rundweg ausgewiesen.

Eine Anmerkung noch: Ihr Platz wird ja gerade zu Rossmann umfirmiert. Die schmeißen ihr ganzes Sortiment raus, und sowohl der Markt in Kassel-Wilhelmshöhe als auch der im Hauptbahnhof hatte kein Wasser mehr im Angebot. Überhaupt war im gesamten Hbf kein Wasser zu kaufen. Außer bei Burger King. Und das am heißesten Tag!

Bahnfotos (nur die ohne Menschen, gar nicht so leicht bei so einem Event)

Fotos vom Ort

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